Vor und während der Weltkriege

Der finanzielle Unterhalt der Gemeinde erwies sich von Beginn an als sehr schwierig. Anträge auf staatliche Beihilfen wurden stets abschlägig beschieden. Entsprechend der reussischen Kirchengemeindeordnung mussten Katholiken sogar zum Unterhalt der evangelischen Landeskirche beitragen. Pfarrer Boenert schrieb 1908 „In Reuss j.L. ist die Entwicklung des religiösen Lebens gehemmt und die Betätigung der Kräfte der katholischen Kirche für die eigenen Glaubensgenossen wird unmöglich gemacht!“ Ein Brief seines Nachfolgers Johannes Härtl bestätigt dies rund ein Jahrzehnt später „In Reuss j.L. sind die Katholiken die rechtlosesten … im ganzen Deutschen Reiche …!“ Die am Tage der Kirchweih benedizierten Glocken wurden im Juni 1917 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Neue Stahlglocken erklingen erst 1919 wieder. Zu diesem Zeitpunkt hat Gera 73000 Einwohner, wovon knapp 3% katholisch sind.

Pfarrer Anton Boenert (1908 - 1914)                Pfarrer Johannes Härtl (1914 - 1919)

Ab 1920 verbesserten sich die Rahmenbedingungen, es gab es katholische Kirchensteuern und am 24.6.1921 wurde das Bistum Meißen wiedererrichtet. Pfarrer Plewka wurde Erzpriester des Archipresbyterates, welches die thüringischen Gemeinden (Altenburg, Greiz, Schmölln, Rositz, Meuselwitz) des Bistums zusammenfasste und einen Vorläufer des heutigen Dekanates Gera darstellte. Die Stabilisierung des Gemeindelebens in den zwanziger Jahren wird verdeutlicht durch die Gründung des Kirchenchores „Cäcilia“(1923) und des katholischen Gesellenvereines (1925). Die Weltwirtschaftskrise (1929) mit ihrer nachfolgend hohen Arbeitslosigkeit und die Machtergreifung Hitlers (1933) waren dieser positiven Entwicklung nicht zuträglich.

Erzpriester Joseph Plewka (1922 - 1938)

Trotz aller Probleme, wird 1935 die Kirche renoviert und 1936 mit einem neuen Dach versehen. Die Bekämpfung der katholischen Kirche durch den Nationalsozialismus zeigte sich auch in der Schließung der 1903 gegründeten katholischen Bekenntnisschule am 23.3.1938. Nach dem Tod von Erzpriester Plewka (4.12.1938) wird am 26.2.1939 Pfarrer Johannes Tenderich eingeführt. Im Laufe des Krieges kommen unzählige Katholiken, Evakuierte, Vertriebene sowie Zwangsarbeiter aus Polen, Frankreich und anderen Ländern nach Gera. Angesichts der allgegenwärtigen Überwachung durch die Gestapo und häufigen Bombenangriffen notiert der Pfarrer 1944: „Nun hebt an ein allem Anschein nach schweres Jahr.“ Pfarrer und Kaplan leisten in dieser Zeit in der Seelsorge unglaubliches! Am 13.4.1945 wird Gera an amerikanische Truppen übergeben. Diese ziehen am 1.7.1945 ab und die rote Armee rückt ein. Die Gemeinde steht vor großen Herausforderungen, die Pfarrer Tenderich mit den Worten umschreibt: Großes Leid! Wie soll das enden!? Gott mag sorgen und das Leid segnen zum Frieden!