Der Neuanfang im späten 19. Jahrhundert

Es sollte über 300 Jahre dauern, ehe der katholische Adjutant des protestantischen Fürsten Reuß, Gustav Graf Clairon d`Haussonville 1868 die Katholiken der Stadt „ermittelte“. Unter den 16 000 Einwohnern waren es 128, vorwiegend Geschäftsleute oder Dienstpersonal. D´Haussonville wandte sich an den Zeitzer Pfarrer Hundt, mit der Bitte, regelmäßige katholische Gottesdienste in Gera zu halten. So fand am 11.4.1869 der erste katholische Gottesdienst Geras nach der Reformation im kleinen Saal der „Wasserkunst“ statt! Aufgrund mangelnder Besucherzahlen, wurden die zweimonatlich stattfindenden Gottesdienste ab Sommer 1872 nicht fortgeführt.

Pfarrer Heinrich Hundt (1869 - 1874)  Pfarrer Heinrich Bechem 1882 - 1885  Pfarrer Wilhelm Bange 1895 - 1897  Pfarrer Ludwig de Lasalle (1897 - 1902)

Im Jahre 1880 erfuhr der Rudolstädter Pfarrer Bechem zufällig, dass es in der inzwischen 30 000 Einwohner zählenden Stadt weder katholische Geistliche, noch eine Kirche oder Gottesdienste gab. Mit Hilfe des aktiven Geraer Katholiken Anton Striether wurde ein geeignetes Lokal angemietet und vom fürstlichen Ministerium die Erlaubnis eingeholt. Der erste Gottesdienst fand am Ostermontag, den 10. April 1882 im Lokal Leipnitz in der Leipziger Straße (heute Metropol) statt. In der Folge nahmen regelmäßig rund ein Drittel der mittlerweile rund 350 Katholiken der Stadt an den Gottesdiensten teil. Ein zeitnah (19.7.1882) ins Leben gerufener katholischer Verein bereitete künftig die Gottesdienste vor und nahm die Interessen der Geraer Katholiken wahr. Gemeinsam mit Pfarrer Bechem und ab 1885 mit dem Altenburger Pfarrer Sparla, konnte in langwierigen Verhandlungen mit dem fürstlichen Ministerium sowie den Bischöflichen Generalvikariaten in Dresden und Paderborn der Grundstein für eine eigenständige Gemeinde gelegt werden. 1887 konnte ein eigener „Betsaal“ in der Pönertstraße 7 (heute Dr. Friedrich Wolf Straße) angemietet werden. Die Gemeinde festigte sich weiter, trotzdem dauerte es noch bis zum 15.6.1894, ehe die Gemeinde „St. Elisabeth“ (siehe Urkunde auf Startseite) staatlich anerkannt wurde. Zur Unterstützung Bedürftiger leistete der am 20.2.1895 gegründete Wohltätigkeitsverein "Elisabethfrauen" (Vorsitzende Frau von Petersdorf) unverzichtbare Dienste. Am 15.8.1895 erhielt Gera mit Pfarrer Wilhelm Bange seinen ersten „eigenen“ katholischen Seelsorger. Am 1.2.1896 wurde beschlossen, ein Fabrikgrundstück in der Nikolaistraße 4 zu kaufen, wo bereits im Sommer eine Kapelle geweiht werden konnte. Ein kompletter Umbau sowie die Errichtung zweier Türme findet 1902/03 statt.