Die Gemeinde "Gera Süd" ab 1953

Bereits seit dem 2.11.1946 fand in der evangelischen Kirche St. Martini im Stadtteil Zwötzen jeden Sonntag ein katholischer Gottesdienst statt. Durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener stieg die Zahl der Katholiken in den südlichen Stadtteilen bis 1953 auf  1400 an. Am 21.10.1953 erfolgte die Errichtung der Lokalie Zwötzen der Pfarrei „St. Elisabeth“ durch das Ordinariat in Dresden. Ab dem 16.8.1954 war der Gottesdienstraum der neuapostolischen Gemeinde in der Langen Straße 21 nutzbar. Die ersten Jahre waren gezeichnet vom Bemühen der Lokalkapläne Franz Link (1.11.1953 – 15.4.1955) und Joachim Greger (16.4.1955 – 20.1.1960) eigene Räumlichkeiten zu finden. Höhepunkte bildeten die Firmung von 99 Christen am 30.5.1954 durch Bischof Wienken aber auch Fußwallfahrten nach Niebra, die sich inzwischen zu einer jahrzehntelangen Tradition entwickelt haben (jährlich am 1. Mai).

Ab dem 20.1.1960 wurde Robert Polzer neuer Lokalkaplan. Am 1.9.1962 erfolgte die Weihe der Marienkapelle in der Langen Straße 21. Durch die Bildung eines Seelsorgerates 1964 nahmen engagierte Laien verstärkt auch pastorale Aufgaben wahr und intensivierten die Suche nach geeigneten Räumen für die Gemeinde. Am 13.11.1964 wurde durch den Rat der Stadt Gera eine ehemalige Tischlerwerkstatt in der Langen Straße 15 zugewiesen. Die Gemeinderäume wurden nach Umbauarbeiten am 12.12.1965 eingeweiht. 1970 wurde die Gemeinde kirchenrechtlich zur Pfarrvikarie erhoben.

Die Kapelle in Zwötzen um 1970  Pfarrer Robert Polzer (hier anlässlich seines 70. Geburtstages 1997)  langjähriger Gastgeber - St. Martini in Zwötzen  langjähriger Gastgeber - die alte St. Ursula Kirche in Altlusan

In den Folgejahren fanden zahlreiche Um- und Ausbauarbeiten der beiden Objekte in der Langen Straße statt. Aufgrund der Errichtung des Neubaugebietes Lusan gab es nun auch regelmäßige katholische Sonntagsgottesdienste in der evangelischen Kirche „St. Ursula“. Räumlichkeiten in der benachbarten Lusaner Straße 13 wurden für die Gemeindearbeit genutzt. In diesen Jahren wurde eine Verlagerung des Schwerpunktes künftiger Gemeindearbeit nach Lusan absehbar. Am 1.1.1978 erfolgte die Erhebung zur eigenständigen Pfarrei „Heilig Geist“ Gera- Süd, am 30.6.1978 die Zuweisung eines Grundstückes am Rande Lusans, als Bauplatz für eine neue Kirche. 1982 beendete Pfarrer Robert Polzer seinen Dienst und am 19.12.1982 wurde Heinz Claus Bahmann neuer Pfarrer. Die Gemeinde hatte 1500 Mitglieder, von denen 200 regelmäßig die Gottesdienste in Zwötzen und Lusan besuchten.

Grundsteinlegung der neuen Kirche durch Bischof Schaffran am 27.5.1983  Kirchweih am 17.3.1985   Kirchweih mit Bischof Schaffran am 17.3.1985

Im September 1982 begann der Bau der neuen Kirche, für die Bischof Schaffran am 27.5.1983 den Grundstein legte. Richtfest wurde am 3.3.1984 und die Weihe der neuen Pfarrkirche „Heiliger Maximilian Kolbe“  am 17.3.1985 gefeiert. Dies ging einher mit der Änderung des Patroziniums der Gemeinde. Das große Gottvertrauen und die Dynamik jener Zeit mögen nachfolgende Beispiele verdeutlichen. Im Februar 1983 bestellte Pfarrer Bahmann 3 Glocken in der Glockengießerei Apolda (Lieferzeit 5 Jahre), obwohl staatliche Organe keine Genehmigung für den Bau eines Glockenturmes in Aussicht stellten. Zahlreiche Aktivitäten, die sich zu langjährigen Traditionen entwickeln sollten, nahmen ihren Anfang – ökumenischer Emmausgang (seit 1979), Marientragen und „Nikolaus unterwegs“ (jeweils seit 1983), die große Faschingsfeier im Gemeindesaal, der ökumenische Martinsumzug durch Lusan (seit 1986) oder die Himmelfahrtstour (seit 1990).

Pfarrer Bahmann trifft die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa 1984 in Karl Marx Stadt (heute Chemnitz)  Fronleichnamsfeier 1990  Firmung 1993

Am 1.6.1986 fand im weiträumigen Gelände der Pfarrei  die erste Fronleichnamsprozession Geras seit vielen Jahren (800 Teilnehmer) statt. Höhepunkte im Leben der Gemeinde bildeten die Teilnahme am Katholikentag in Dresden 1987, Gemeindefahrten nach Polen (2 Busse 1988) und Ungarn 1989. Zur Wahl des Pfarrgemeinderates 1989 stellten sich 50(!) Kandidaten zur Wahl. Am 5.12.1989 wurde die Orgel (Fa. Schuke Potsdam) geweiht. Das Neubaugebiet Lusan war inzwischen auf 45 000 Einwohner gewachsen, im Gebiet der gesamten Pfarrei sind es damals rund 55 000. Zur Gemeinde gehörten knapp 2500 Christen, mehrheitlich in Lusan wohnhaft. Gottesdienste fanden Samstag 18 Uhr, am Sonntag 8:30 (Zwötzen), 10 Uhr und 18 Uhr in Lusan statt.

Die gesellschaftlichen Veränderungen, verbunden mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990, stellten die Gemeinde vor gänzlich neue Herausforderungen. Negative Begleitumstände wie Arbeitslosigkeit, fehlende berufliche Perspektiven für junge Gemeindemitglieder, neue kirchensteuerrechtliche Regelungen und die neue Reisefreiheit führten zu zahlreichen Kirchenaustritten, zum Wegzug unzähliger Gemeindemitglieder und damit im Laufe der 90er Jahre zu einer Halbierung der Gemeinde. In diesem Zusammenhang machte sich am 2.12.1991 auch die Aufhebung der Kapelle in Zwötzen notwendig. Gleichzeitig intensivierte die Gemeinde ihr Bemühen Heimat zu bieten und ihre Ausstrahlung ins Umfeld zu erhöhen. Am 1.9.1990 eröffnete der katholische Kindergarten mit 36 Plätzen in gemieteten Räumen in der Anna Stegmaier Straße 5.

Kirche und Umfeld 1985, noch ohne Seniorenheim und Kindertagesstätte.  Das Seniorenheim wird gebaut ...  ... und nun auch die Kindertagesstätte "Perlboot"!

Das bereits lange geplante Vorhaben, der Bau eines katholischen Seniorenheimes in Trägerschaft der Gemeinde, nahm nun konkrete Formen an.  Am 7.6.1991 nahm Bischof Schaffran den ersten Spatenstich vor, die Grundsteinlegung erfolgte am 21.2.1992 und die Feier des Richtfestes am 26.6.1992. Am 17.4.1993 konnte das katholische Seniorenheim „Edith Stein“ geweiht werden. In der Lasurstraße in Zwötzen eröffnete im September 1992 des Nichtsesshaftenheim in Trägerschaft der Caritas. Auch ein Glockenturm konnte nun errichtet werden. Heilig Abend 1992 läuteten erstmalig die Glocken. Am 22.5.1993 wurde eine kleine Marienkapelle im Glockenturm geweiht. Im Januar 1993 waren erstmalig in Gera 14 Kinder der Gemeinde als „Sternsinger“  unterwegs, eine seitdem jährlich wiederkehrende Aktion. Zahlreiche Gemeindemitglieder engagierten sich bei Hilfsmaßnahmen für notleidende Menschen in Rumänien. Allein im Jahr 1993 wurden 9 Hilfstransporte ehrenamtlich organisiert! Pfarrer Bahmann beendete am 15.9.1994 seinen Dienst in unserer Gemeinde. Nachfolger wurde Pfarrer Christoph Behrens.

Am 1.5.1997 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau einer ökologischen Kindertagesstätte auf dem Gelände der Pfarrei. Grundsteinlegung war am 4.10.1997, Weihe am 3.10.1998 und nach Erledigung von Restarbeiten Einzug am 19.12.1998. Mit dem „Perlboot“, nach Entwürfen von Dr. Maria Hoffmann errichtet, und dem Seniorenheim existieren nun 2 Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde, die zugleich über 100 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz bieten. Zum 31.12.1999 verlies Pfarrer Behrens die Gemeinde. Nachfolger waren Pfarrer Peter Domaschke (1.5.2000 – März 2002) und der Kapuziner Lüder Kracke (1.12.2002 – 8.10.2006).

Pfarrer Heinz Claus Bahmann  Pfarrer Peter Domaschke  Bruder Lüder Kracke

Seit 1.12.2006 ist Pfarrer Thomas Hajek im Amt. Seinen Vorgängern, ihm und dem großen Engagement vieler Ehrenamtlicher ist es zu verdanken, dass die Gemeinde viele Aktivitäten aufrecht erhält, unterstützt oder neue beginnen kann. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Gera und Ronneburg gestalteten Gemeindemitglieder 2 Tage im Kirchenzelt. Große Akzeptanz finden auch die Präsentationen bei Stadtteilfesten oder beim 2012 neu initiierten ökumenischen Projekt „Lebendiger Adventkalender“. Der Schrumpfungsprozess der Gemeinde verlangsamte sich zuletzt. 2013 hat die Gemeinde noch gut 800 Mitglieder, von denen rund 150 regelmäßig Gottesdienste besuchen. Die Einwohnerzahl Lusans hat sich seit 1989 halbiert. Im Einzugsgebiet der Pfarrei leben 2013 noch rund 35000 Menschen.

Mit Gottvertrauen, dem Engagement und der Glaubwürdigkeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie aller Gemeindemitglieder wird es auch künftig möglich sein, unabhängig von strukturellen Änderungen im Bistum, ein attraktives Gemeindeleben und Heimat zu bieten, aber auch Helfer für Notleidende oder Suchende zu sein.

 Am Ende möchten wir Ihnen folgendes "Dokument" nicht vorenthalten. Aus heutiger Sicht wirkt es fast lustig. Im der damaligen DDR entstand es aus einem anderen Grund!

1987 sah sich Pfarrer Bahmann gezwungen, diesen Aushang anzufertigen. Grund waren Gerüchte in der Stadt, ...