Der Gersche und sein Garten

 

Der Gersche jammert ja so gerne,

schaut lieber neidvoll in die Ferne!

Was gut läuft hier im eig´nen Ort,

das wischt er mit  ´nem „ABER“ fort,

doch wo Kritik ist angebracht,

ja da wird fleißig mitgemacht!

Man müsste dies und jenes machen,

mensch Leute, wir ham´ nichts zu lachen, …! L

Die Anderen, ja die sind schuld!

Dieser Satz ist fast schon Kult.

Das Selbstmitleid, ist so bequem,

warum soll mir´s da anders geh´n?

Ich schaff´ mir meine heile Welt,

weil´s mir darin so gut gefällt,

drum hab´sch darheeme meinen Garten

und da kann ich bald wieder starten!

 

Im April, da denk´  ich nur,

jetzt kommt die gleiche Prozedur!

Die Dahlien und die Gla-dio -len,

darf ich jetzt aus dem Keller holen,

wo sie überwintert haben,

wer´n nun an neuem Ort vergaben.

So große Knollen kann ich sehn, (zeigen)

das heißt für mich: „Auf Tiefe geh´n!“

Bin schnell bei einem halben Meter

und nur zwei Spatenstiche später,

da spür´ ich´s kribbeln in meim´  Arm

und auch die Schuhsohl´n werden warm!

Nun blitzt es aus dem Loch heraus

und alle Lichter gehen aus!

Die E.ON kommt nach rund zwei Stunden

und ham´  den Fehler bald gefunden.

Die Rechnung, die wird aufgemacht,

was für ´ne teure Blumenpracht!

 

Am Tage drauf, ich hör´s genau,

da schreit erbärmlich meine Frau!

Sie ist am wehen und am klagen,

sieht Beine aus den Beeten ragen!

Hilfsbereit wie eh und je,

ich rasch zum Ort des Übels geh.

Wer dort liegt, ist mir nicht fremd,

mein Sohn hat straff im Beet gepennt.

Ich weiß als alter Menschenkenner,

die Party gestern war ein Renner!

Die Pflanzen, die sind zwar im Eimer,

doch Hautsache er lebt, mein Kleiner!

 

Am Abend stets, so gegen acht,

die Abendsonne scheint und lacht,

setzt ich mich auf die Gartenbank

und sage meinem Schöpfer dank.

Der Arbeit und der Mühe Lohn,

ein kühles Bier, das wartet schon.

Niemand darf mich jetzt hier stören,

beim Öffnen, tu ein „Plopp“ ich hören,

ich gieß es ein, es perlt und zischt,

was Schöneres, das gibt es nicht!

Engelsgleich kommt meine Frau,

zeigt auf ´ne leere Fläche, „Schau,

da möchte ich einen Gartenteich,

beginn doch damit bitte gleich, …“

Das Pflichtbewusstsein tut da siegen,

ich lasse alles stehn und liegen,

steig über Beete und die Saaten

und hole Hacke, Schaufel, Spaten.

Ich spür nur Fels und viel Gestein,

doch mit der HILTI komm´ ich rein!

Die Nachbarn schrein: „Was soll der Mist,

du weißt wohl nicht, wie spät es ist!“

Peinlich zieh ich mich zurück.

Ein Haus mit Garten, so ein Glück!

 

Nach Arbeit an sehr vielen Tagen,

kann ich meiner Frau dann sagen:

„Fertig ist nun Dein Gewässer,

und es wurde sehr viel besser,

als Du erträumt es Dir einst hast,

es gleicht wohl einem Kunstwerk, fast …“

Zum Teiche hin, da führt ein Weg

und übers Wasser geht ein Steg,

siehst Du diesen goldnen Fisch?

Am Rande steh´n auch Stuhl und Tisch,

ein Filter hält das Wasser klar,

es ist doch einfach wunderbar!

„Ja“ haucht sie da elfengleich,

„So ein schöner Gartenteich,

jedoch, was treibt da für ein Tier?

S´ ist Nachbars Katze, denk ich mir,

aufgebläht und wohl ersoffen!“

Betreten schweige ich betroffen.

Sie wird im Kompost eingegraben,

ich will ja guten Dünger haben!

Doch nun gönn´  ich mir mein Bier,

nicht morgen, sondern heut´ und hier,

daß man mich jetzt genießen lässt!

Da hör ich: „Hilf, ein Wespennest!“

 

Das war´s denk ich da voller Grimm

und eil zum Ort des Schreckens hin.

Die Frau, die wurde schon gestochen,

sie hat wohl doch zu süß gerochen.

Der ganze Schuppen scheint zu brummen,

so ein Schwirren, so ein Summen!

Da ist der Papa echt gefragt,

weil sich das sonst kein And´rer wagt!

Mit Chemie, ganz auf die Schnelle,

rück ich den Viechern auf die Pelle.

Fünf Stiche und Minuten später,

brauch ich dann selbst ´nen Sanitäter!

Das Ungetier ist alles tot,

doch ich, ich leide Atemnot!

Das angefangne Bier, das gute,

danach ist mir nicht mehr zumute.

Total erschöpft fall ich ins Bett,

so´n Tag im Garten, der ist nett!

 

Am Folgetag, da ging mirs besser,

ich kontrollier die Regenfässer,

erledig ein paar Kleinigkeiten

und denk, heut´ machste Schluß beizeiten.

Schau mir noch Nachbars Rasen an,

voll Schreck den meinigen sodann.

Wohin ich blicke oder seh,

Löwenzahn und grüner Klee!

Erfreulich ist das alles nicht,

sofort mähen, ist da Pflicht!

Der Motor der bleibt stehen fast,

wenn Du so ´n e Wiese hast!

Da ruft die Tochter, sucht ihr´n Hasen,

er würde auf dem Rasen – grasen, … L

Ich finde schnell die Überreste,

der Kompost ist auch hier das Beste.

Woher krieg ich ein neues Tier?

Dumm gelaufen, denk ich mir!

 

Jeden Abend zwei, drei Bier,

die Jagd nach manchem Ungetier,

Gurken, Möhren und Tomaten,

hantier´n mit Hacke oder Spaten,

pflanzen, jäten oder düngen,

zum Wertstoffhof den Grünschnitt bringen,

den Rasen pflegen immer fein,

soll das der Sinn des Lebens sein?

 

Ich werde jetzt ganz kurz mal still,

kann´s sein, dass der (nach oben zeigen) viel mehr noch will?

Statt über einen Missstand klagen,

„Ich pack es an!“ auch einmal sagen.

Statt leben voller Bitterkeit,

ein frohes Wort zur rechten Zeit.

Dem chsten oft ein Lächeln schenken,

und ein Gespräch auf´s Gute lenken.

Das kann sogar im NETTO sein,

auf Arbeit oder im Verein.

Statt sorgenvoll noch vorn zu schauen,

mit etwas mehr an Gottvertrauen,

so wie manches kleine Kind,

die Dinge nehmen, wie sie sind.

Ja, manches tut im Argen liegen,

doch sollte Dankbarkeit stets siegen

und die Erkenntnis, dass nicht Geld,

das Beste ist, auf dieser Welt!

Ob jung, ob alt, ob Mann, ob Frau,

ich denk´  jetzt öfter dran, Helau!