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Feuer fangen -

 

– Eindrücke von einem Seminar der „Evangelisierenden Pfarrzellen“ im Mai 2013 in Mailand

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. So ging es mir, als ich am 21./22. Mai an einem Seminar für  „Evangelisierende Pfarrzellen“ in Mailand teilnahm. Evangelisierende Pfarrzellen sind kurz gesagt Kleingruppen als Teil einer Pfarrei. Sie sind so wie Zellen einer Pflanze oder eines Körpers die kleinsten Einheiten eines größeren Ganzen. Diese Zellen oder Kleingruppe bestehen aus 6-12 Leuten. Sie treffen sich wöchentlich (!) für je 90 min. Ihre Ziele bestehen zuerst darin, die Beziehung zu Gott zu vertiefen, sich gegenseitig in der eigenen Nachfolge zu stärken und dafür auch andere zu gewinnen. Wenn weitere Leute hinzu stoßen, teilen sich die Zellen. Durch „Zellteilung“ entstehen neue Gruppen. So geschieht Evangelisierung. Die Botschaft Jesu bleibt nicht unter denen hängen, die schon mit ihm leben. Sondern sie gelangt auch zu Außenstehenden.

Ungefähr 300 Leute aus 25 Ländern (darunter 60 Priester) waren vom 20.-23. Mai in Mailand zusammen gekommen, um in Vorträgen zu hören, wie eine solche Kleingruppenarbeit gestaltet wird. Außerdem prägten Eucharistiefeier, Gebetszeiten, Mahlzeiten und zahlreiche Gespräche das Miteinander.

Der Höhepunkt bestand für mich darin, das Treffen einer Zellgruppe miterleben zu können. In einer Wohnung hatten sich die neun jungen Erwachsenen versammelt. Wir begannen mit dem Lob Gottes, durch Lieder und persönliche Gebetsworte. Anschließend folgte eine Austauschrunde über zwei Fragen: 1. Was hat Jesus in der letzten Woche für mich getan? Und 2. Was habe ich für Jesus getan? Es sind Fragen, die dazu herausfordern, die eigenen Erfahrungen im Licht des Glaubens zu deuten. Ein junge Frau sprach davon, wie die Erfahrungen der anderen ihren Lebenshorizont erweitert haben. In einem dritten Schritt haben wir einen Text aus der Bibel gelesen. Impulsfragen haben uns den Einstieg ins Gespräch ermöglicht (Schritt 4). Im 5. Schritt ging es um Organisatorisches und wichtige Mitteilungen. Der Abend schloss dann wieder mit dem Gebet. Dort konnte jeder Anliegen und Bitten formulieren (Schritt 6). Am Schluss des Treffens stand das Gebet für einen aus der Runde. Dieses Mal war ich als Gast „an der Reihe“. Dass andere direkt für mich beten, war eine starke Erfahrung. Warum sollten wir das nicht öfter ausprobieren? 

Die Pfarrzellen wurden in den 80iger Jahren von Don Pigi Perini, dem damaligen Pfarrer von St. Eustorgio in die Mailänder Pfarrei gebracht. Er hatte diese in einer Pfarrei in Florida kennen gelernt und dort „Feuer gefangen“. Mit Blick auf die Pfarreien sprach er davon, dass sie meist wie ein „schlafender Riese“ seien, der sein Potenzial nicht entfaltet. Die Pfarrzellen hingegen ermöglichten einen lebendigeren Glauben und einen evangelisierenden Blick nach außen. In Mailand gibt es inzwischen mehr als 130 Pfarrzellen. Neben den Gruppentreffen ist die Eucharistische Anbetung eine wesentliche Säule. Für die meisten Gruppenmitglieder ist es klar, dass sie wöchentlich eine Stunde dafür einsetzen, auch auf diese Weise Zeit mit Christus zu verbringen.

In unserer Gemeinde in Gera-Süd haben wir bisher drei Kleingruppen, die in ähnliche Richtung gehen, auch wenn sie nicht Pfarrzellen heißen. Potenzial steckt darin und es beginnt sich zu entfalten, das spüren wir bereits nach wenigen Jahren. Auch mit der Eucharistischen Anbetung haben wir begonnen. Wie sonst können wir dazu beitragen, den „schlafenden Riesen“ zu wecken?

Pfarrer Thomas Hajek