Vom Beginn bis zur Reformation

 

Mit der Besiedlung des Sorbenlandes durch deutsche Bauern aus Franken, Thüringen und Sachsen kam auch der christliche Glaube in unsere Region. Eine entscheidende Rolle spielte in diesem Zusammenhang sicher auch der am 15.5.719 von Papst Gregor II. als Missionar für die Germanen ernannten Mönch Wynfreth (Bonifatius).

968 wird das Bistum Zeitz gegründet und ein Jahr später schenkt Kaiser Otto der Äbtissin des Stifts Quedlinburg den „Landstrich Gera“. Im Jahre 1022 legte Papst Benedict VIII. fest, das Priester nicht mehr heiraten dürfen, was sicher auch Auswirkungen auf die Geraer Geistlichen hatte. Auf dem Nicolaiberg entstand um 1193 die Nicolauskapelle. Heute befindet sich hier die evangelische Kirche St. Salvator.In den Urkunden werden um 1200 ein Pfarrer Conrad und 1234 erstmals eine Johanniskirche erwähnt. Am 25. Oktober 1237 erhält Gera das Stadtrecht. Die Christianisierung im Raum Gera war wohl in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts abgeschlossen. Am 27.11. 1296 wird ein Magister Herrmann als Geistlicher der Johanniskirche urkundlich erwähnt. Im Jahre 1358 erhalten die Marktgrafen von Wettin vom Stift Quedlinburg das Lehen Gera. Die geistliche Zuständigkeit verbleibt beim Bistum Zeitz.

Im Mittelalter gab es außer der genannten Johanniskirche und der Nicolauskapelle die Dreikönigskapelle, die St. Wolfgangs- und die Hl. Kreuz Kapelle. Außerdem entstehen das Marien- und das St. Wolfgangshospital.Die Stadt hat Mitte des 15. Jahrhunderts rund 1500 Einwohner. Im sächsischen Bruderkrieg brennt 1450 die Johanniskirche ab, wird wieder aufgebaut und 1488 neu geweiht.

*Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen in Wittenberg. Die Durchführung der Reformation in Gera prägte der Konflikt zwischen dem Herrn von Gera (Heinrich der Ältere) und dem sächsischen Kurfürsten. Unter Ausnutzung der gespannten reichspolitischen Lage konnte sich Heinrich d. Ä. mehrere Jahre der Einführung Luthers neuer Lehre widersetzen. Die Haltung Heinrichs war dabei sowohl religiös als auch politisch motiviert. Einerseits ging es ihm um das Festhalten am katholischen Glauben, andererseits um die Wahrung seiner Souveränität als Landesherr, sahen doch die Herren von Gera ihre Stellung als „reichsunmittelbar“, also nur dem (katholischen) Kaiser untertan. Andererseits wurde ihre Souveränität mehr und mehr durch die mächtigen Nachbarn, die Kurfürsten von Sachsen, bedroht. 1533 gelang es dem sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich schließlich eine Kirchenvisitation in Gera durchzuführen. Nach dem folgenden Wechsel der geistlichen Gerichtsbarkeit, einer personellen sowie wirtschaftlichen und sozialen Neuordnung der Pfarreien erlosch innerhalb weniger Jahre jegliches katholisches Glaubensleben in der Stadt. Gera wurde über mehrere Jahrhunderte zu einer fast ausschliesslich protestantischen Stadt.

*Anmerkung: In diesem Zusammenhang wird ein Besuch des Geraer Stadtmuseums mit der aktuellen Sonderausstellung "Die Reformation in Gera" (bis 25.2.2014) empfohlen!